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Weber, Thomas: Über B. Lindners Benjamin-Handbuch, 31.01.2008

Das wilde Bergwerk als Untertagemuseum. Eine verlässliche Kartographie von Walter Benjamins Werk

Von Thomas Weber

Eine Rezension von Burkhardt Lindners Benjamin Handbuch. Leben – Werk – Wirkung

Walter Benjamin

Walter Benjamin

Wie soll man ein Werk rezensieren, das die Arbeiten von über 40 international renommierten Benjamin-Experten aus dem In- und Ausland zusammenträgt und damit einen Meilenstein, in gewisser Hinsicht auch einen Schlussstein der Benjamin-Forschung der letzten Jahrzehnte setzt? Wäre das Handbuch ein Sammelband, würde sich der versierte Rezensent einzelne Aspekte herausgreifen und ihrem Für und Wider nachspüren. Er würde die Gelegenheit nutzen, griffige Benjamin-Zitate anzubringen, Benjamin-Restkenntnisse, die praktisch jeden nach 1969 lesefähigen, kultur- und sozialwissenschaftlich gebildeten Akademiker auszeichnen, oder gar versuchen, diesen oder jenen Expertenbeitrag in seinem Gewicht zu beurteilen, ihn vielleicht zurechtzurücken, in dem er ihn von der einen in die andere Rubrik verschiebt oder gar einen übersehenen Winkel zum Vorschein bringt. Doch angesichts der geballten kollektiven Intelligenz, die sich auf über 700 Seiten äußert, wäre ein solches Unterfangen nicht nur aussichtslos, sondern würde gerade auch die Leistung des Handbuchs verkennen, das als Ensemble konzipiert wurde.

Tillmann, Michael: “Die Ungleichheitsdebatte in Frankreich. Sammelrezension”, 31.01.2008

Die Ungleichheitsdebatte in Frankreich

Sammelrezension von Michael Tillmann

Nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wissenschaft nimmt das Wortgefecht um die Ungleichheit im Zusammenhang mit den anstehenden Präsidentschaftswahlen heftig zu. Michael Tillmann fasst die Hauptansätze der Forschung in einer Sammelrezension zusammen.

sammelrezension.gifDie Gerechtigkeitsdebatte in Frankreich ist nicht zuletzt im Zusammenhang mit den anstehenden Präsidentschaftswahlen neu entbrannt. In welche Richtung sich die französische Gesellschaft und Wirtschaft entwickeln wird, beschäftigt nicht nur die Politiker aller Couleur, sondern auch die Wissenschaft. Der Armutsforscher Serge Paugam hat gerade ein fast 1000-seitiges Werk zur Zukunft gesellschaftlicher Solidarität herausgegeben. Darin erhellen 50 Forscher den sozialwissenschaftlichen Beitrag zur Analyse solidarischer Vergesellschaftungsprozesse, die – einer weit verbreiteten Meinung nach – allzu oft unter dem verengenden Blick wirtschaftswissenschaftlich begründeter, rein ökonomischer Rentabilität betrachtet wird. Dass es dabei nicht nur um wissenschaftliche Erkenntnis, sondern auch um eine öffentliche Einflussnahme auf die politischen Entscheidungsträger geht, legt nicht zuletzt die damit einhergehende Unterschriftenkampagne nahe, mit der das Thema soziale Ungleichheit, Ausgrenzung, Segregation in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt werden soll. Vielleicht wird also der pessimistische Schlusssatz aus Louis Chauvels Mittelschichtenstudie doch Lügen gestraft: “Seit langem schon sind Wahljahre leider Gottes selten der richtige Augenblick, um allzu ernsthafte Fragen zu stellen.”

Karsch, Margret: Die Spaltung der wissenschaftlichen Zunft, 31.01.2008

Elite oder prekäre Verhältnisse

Von Margret Karsch

Wilhelm von Humboldt - Statue an der HU-Berlin

Wilhelm von Humboldt - Statue an der HU-Berlin

Schon jetzt zeichnet sich in Deutschland eine Kluft ab zwischen einer akademischen Elite, deren Forschung überaus großzügig gefördert wird, und WissensarbeiterInnen, die ihre Projekte neben der Lehre mit geringen finanziellen Mitteln und viel Idealismus betreiben.

Die zweite Runde der Exzellinitiative läuft. Endlich steht fest, welche acht deutschen Universitäten beim Wettstreit um den Titel „Eliteuniversität“ an diesem Finale teilnehmen werden. Im Oktober wird dann die Entscheidung fallen. Schon jetzt zeichnet sich in Deutschland eine Kluft ab zwischen einer akademischen Elite, deren Forschung überaus großzügig gefördert wird, und WissensarbeiterInnen, die ihre Projekte neben der Lehre mit geringen finanziellen Mitteln und viel Idealismus betreiben.

Leif Allendorf – Über ‘Stille in Montparnasse’

Gegen Handy-Debile und Walkman-Terroristen

Der französische Schriftsteller Ariel Denis findet Trost in deutscher Art und Kunst

Von Leif Allendorf

ariel_denis_-_c_atrium_verlag.jpgOhne Musik wäre das Leben ein Irrtum.“ Dieses Nietzsche-Zitat gibt das Leitmotiv des kurzen Romans „Stille in Montparnasse“ an. Ein namenloser Ich-Erzähler – ein Mann im so genannten besten Alter – wird durch den Tod seines besten Freundes der eigenen Sterblichkeit bewusst und rätselt über den Sinn unserer vergänglichen Existenz.

Ihn, den Franzosen, und seinen Schweizer Freund Berger verband die gemeinsame Liebe zu Schubert-Liedern, natürlich nur von Hermann Prey interpretiert und ausschließlich auf der besten Stereo-Anlage zu hören, die zur Zeit zu kaufen ist. Alles andere wäre Banausentum. Diese kleine Insel der Schönheit gilt es zu verteidigen: gegen das Terrorregime der „Diskothekenmusik“, gegen das Handy-Gequatsche auf der Straße, das Walkman-Gedudel in der Bahn und das geistige Analphabetentum unserer Zeit.

Tillmann, Michael: ” Paradiesisches. Über ‘Que reste-t-il du paradis?’ von Jean Delumeau”, 28.01.2008

Paradiesisches

Von Michael Tillman

DELUMEAU, Jean: Que reste-t-il du paradis. Paris: Fayard 2000.

Que reste-t-il du paradis?